Rückläufiger Bankenmarkt für kleine und mittlere Unternehmen

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmendaten der letzten beiden Jahre hat wohl jede noch so vage Hoffnung auf Erleichterungen bei der Umsatz- und Gewinnerzielung für Unternehmen jeglicher Größe erstickt.

Die europäischen Staaten driften derzeit wieder auseinander, die Verunsicherungen im Handel mit anderen Staaten steigen, die gesetzlichen Hürden in Deutschland werden trotz aller Bekundungen immer größer anstatt kleiner, die Menschen in unserem Land sind zudem in politischen Ansichten oftmals zerrissen.

Zu diesen aktuellen Rahmenbedingungen kommen Erfordernisse einer zunehmend digitalisierten Welt auf alle Unternehmen -auch die kleinen und mittleren- zu. Haben wir eben noch von Digitalisierung in Zukunftsstudien gelesen, muss man in 2016 bereits feststellen, dass wir uns inmitten weitreichender Veränderungen befinden. Diese Veränderungen betreffen selbstverständlich alle Unternehmen gleich und schaffen damit einen gewissen Ausgleich schaffen. Für kleine und mittlere Unternehmen kommen jedoch noch weitere Erschwernisse hinzu:

Die anhaltende Tiefzinsphase bewirkt bei sehr vielen Banken eine spürbare bis dramatische Reduzierung der Gewinne. Dies hat dazu geführt und wird in naher Zukunft auch verstärkt weiter dazu führen, dass viele Genossenschaftsbanken sowie Sparkassen notgedrungen fusionieren werden. Im Geschäftsbankenbereich wurden ja bereits in den letzten beiden Jahrzehnten eine Reihe von Fusionen durchgeführt, so das ehemals starke Geschäftsbanken (Dresdner Bank, IKB) vom Markt verschwunden sind. Zuletzt haben die Commerzbank und Deutsche Bank auch Fusionsgerüchte genährt -selbst für den Fall, dass dies kurzfristig nicht fortgeführt wird, ist langfristig von weiteren Zusammenschlüssen im Geschäftsbankenbereich auszugehen.

Dies führt dazu, dass der ehemals vorhandene Wettbewerb zwischen den Banken in der erweiterten Region eines Unternehmens nach und nach zum Erliegen kommt. Konnten Unternehmen vor wenigen Jahren noch zwischen einigen Geschäftsbanken sowie 2-3 anliegenden Genossenschaftsbanken bzw. 2-3 in der Nähe liegenden Sparkassen wählen, grenzt sich das Angebot an wettbewerbsfähigen Banken heutzutage oftmals auf 1 Genossenschaftsbank, 1 Sparkasse und je nach aktueller Geschäftspolitik auf zumeist 3 Geschäftsbanken. Ein funktionierender Wettbewerb mit hinreichend vielen Möglichkeiten sieht anders aus.

Die verbliebenen Banken sind nun oftmals noch mit der jeweiligen Verarbeitung vorangegangener Fusionen beschäftigt, haben eine unheimlich hohe Regulatorik aufgrund der Gesetzgebung (EU) zu verarbeiten und werden ihre Ratingsysteme (zukünftig Basel 3) weiter so automatisieren, dass kaum noch manuelle Eingriffe durch die Bankmitarbeiter möglich sind.

Kommt dann ein Unternehmen in einer – aus Ratingsicht- ungünstigen Situation auf die wenigen verbliebenen Banken zu, werden heute noch einfache Kreditanfragen zu einer schnellen/ unkomplizierten Erhöhung der Betriebsmittelkredite, zukünftig verstärkt zu einer echten Herausforderung werden. Das Unternehmen, was nicht gerade auf Basis des letzten Jahresschusses ein passendes Rating vorzuweisen hat, wird zukünftig Schwierigkeiten bekommen, insbesondere seinen kurzfristigen Liquiditätsbedarf ohne entsprechende Besicherung mal eben schnell zu decken. …und zwar so lange, bis wieder ein verbesserter Jahresabschluss zu einem verbesserten (guten) Rating führt. Schwierig in diesem Zusammenhang ist, dass ein verbesserter Jahresabschluss in der Regel höhere Umsätze und höhere Gewinne erforderlich macht (neben vielen anderen Verbesserungsmöglichkeiten).

In der Praxis wird dafür jedoch zumeist auch eine höhere Betriebsmittelfinanzierung benötigt. Viele uns bekannte Unternehmen klagen bereits über Verschlechterungen; Darstellungen der Presse sowie uns bekannte Umfragen von Verbänden bestätigen dies.

Lösungsansatz

Kleine und mittlere Unternehmen sind es seit Jahrzehnten gewohnt, einen erheblichen Teil ihrer Finanzierung über Fremdkapital -und hier zumeist über Darlehen/Kontokorrentkredite von Banken/ Sparkassen- zu decken. Der durch die Banken finanzierte Fremdkapitalanteil an den Bilanzsummen der Unternehmen beträgt häufig mehr als 60%. In den letzten Jahren sind in die hinterlassene Lücke der Banken andere Finanzierungsanbieter wie Factoringgesellschaften und Betreiber von Investorenplattformen (Stichwort: „Crowfunding“) getreten.

Zusätzlich hat sich die Finanzierungsmöglichkeit über Leasing noch stärker etabliert, zu mindestens im Mobilien-Leasing (Maschinen, Lizenzen Betriebs- u. Geschäftsausstattung), weniger im Immobilien-Leasing.

Trotz dieser Ausgleichsmöglichkeiten ist ein Trend für sehr viele Unternehmen bereits in der Praxis spürbar, nämlich dass die Finanzmittelbeschaffung beschwerlicher und in zunehmender Anzahl auch undurchführbar geworden ist. Das bedeutet für sehr viele kleine und mittlere Unternehmen, dass kurzfristige Mittelbeschaffungen zukünftig möglichst vermieden werden sollten, in dem so vorausschauend geplant wird, dass diese kurzfristigen Mittelbeschaffungen gar nicht notwendig sind/werden bzw. jederzeit aussagekräftige Controllingunterlagen verfügbar sind, mit der die Hausbank stichhaltig überzeugt werden kann.

Mehr zum Thema Überprüfung des aktuellen Finanzmanagements und Optimierung der Finanzierungsstruktur finden Sie unter Link zum Blogartikel „Liquidität ist alles“ und unter Angebote zur Liquiditätsverbesserung

By | 2016-09-30T16:11:11+00:00 30/09/2016|Liquidität, Planung|0 Kommentare

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Lang+Wolf Consulting GbR ist ein Beratungsunternehmen mit Beratungsschwerpunkten bei betriebswirtschaftlichen und finanziellen Themen zur Unternehmensführung. Sofern im Unternehmen für folgende Fragen Lösungen gesucht werden, können wir die Antworten finden: 1. Wie kann die Liquidität verbessert werden? 2. Wie können die Gewinne optimiert werden? 3. Wie kann die Finanzkommunikation verbessert werden und wozu ist das überhaupt notwendig? 4. Wie kann eine Unternehmensnachfolge gelingen?

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