Auch wenn seit 2009 die Anzahl der Firmeninsolvenzen stetig sinkt, bleibt der Hauptgrund – Liquiditätsprobleme – für die Insolvenzen bestehen. Dabei könnten viele Insolvenzen vermieden werden, wenn es in der Firma eine fundierte Liquiditätsvorschau geben würde. Nicht nur in einer schwierigen Wirtschaftslage ist die Sicherung der Liquidität und der Zahlungsbereitschaft eines Betriebs eine Aufgabe, der sich jeder Inhaber oder Geschäftsführer einer Firma mit höchster Priorität selbst widmen muss. Aufgrund der existenziellen Bedeutung des Themas sollte die Aufgabe nicht an eine andere Person delegiert werden. Lesen Sie im Folgenden, wieso Sie der Liquiditätssicherung höchste Priorität einräumen sollten.

I. Den Überblick über Zahlungsvorgänge behalten

Mit einer Liquiditätsvorschau lassen sich in den meisten Fällen auch größere und Existenz bedrohende Zahlungsengpässe vermeiden. Viele Unternehmer sind jedoch nach wie vor der Auffassung, dass eine Liquiditätsplanung für sie nicht notwendig ist, da sie glauben, alle wesentlichen Vorgänge „ihres“ Betriebs stets im Auge zu haben. Allerdings zeigen die Praxis sowie ein Blick auf das Firmenkonto, dass selbst in kleineren Betrieben Monat für Monat schnell 100, 200 oder mehr Zahlungspositionen anfallen. Damit ist es kaum mehr möglich, ohne schriftliche Unterlagen jederzeit den Überblick über die Finanzmittel zu behalten. Und das sog. Management-by-Kontoauszug („Haben wir Geld, ist alles gut, haben wir keines, müssen wir uns etwas überlegen.“) ist beinahe ein Garant für den Weg in die Insolvenz, da die Übersicht fehlt und – wenn überhaupt – nur noch ein Reagieren auf Zahlungsprobleme möglich ist.

II. Frühzeitig Liquiditätsengpässe erkennen

Ohne Hilfsmittel können Sie nicht überblicken, welche Zahlungen in einigen Tagen, Wochen oder Monaten anfallen und welche Auswirkungen sich hierdurch auf die Zahlungsfähigkeit des Betriebs ergeben. Denn der Faktor Zeit spielt bei der Liquiditätsplanung eine zentrale Rolle: Können Sie mit hohen Zahlungseingängen in der Zukunft rechnen, müssen Sie immer auch Ihre aktuell bestehenden und täglich fälligen Zahlungen begleichen können.

Eine Liquiditätsplanung, in der alle voraussichtlichen Zahlungspositionen abgebildet werden, stellt sicher, dass Sie ständig den Überblick darüber haben, wie es um die aktuelle Zahlungsfähigkeit bestellt ist und wie sich diese voraussichtlich entwickeln wird. Sie können mögliche Liquiditätsengpässe frühzeitig erkennen und in Ruhe Lösungen erarbeiten. Die Liquiditätsplanung sollte mindestens auf Monatsebene erstellt und ebenfalls in monatlichen Abständen aktualisiert und erneuert werden, um die Auswirkung von Veränderungen auf die Liquidität rechtzeitig erkennen zu können.

III. Maßnahmen kennen und umsetzen

Zur Liquiditätsplanung und -sicherung gehört also auch die Beantwortung der Frage, welche Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden können. Auf kurz- und mittelfristiger Basis ist dies bereits mit geringem Aufwand möglich.

Beispiel: Stellen Sie Rechnungen immer unmittelbar im Anschluss an eine erbrachte Leistung! Das sorgt zum einen für kontinuierliche Geldeingänge, die zur Zahlung eigener Verpflichtungen genutzt werden können. Zum anderen werden den Kunden weniger kostenlose Kredite gewährt. Umfragen zeigen, dass bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang im Schnitt dennoch 46 (!) Tage vergehen. In dieser Zeit müssen Sie für den Betrag u.[nbsp]U. selbst einen Kredit aufnehmen bzw. Ihre Kreditlinie belasten. Pro 10.000 € sind das bei unterstellten 14 % Zinsen für 46 Tage immerhin fast 180 €.

Unsere Checkliste zeigt weitere Möglichkeiten, wie Sie die Liquiditätslage kurz- und mittelfristig nachhaltig verbessern können. Schicken Sie uns einfach eine Mail mit dem Stichwort „Checkliste Liquidität“ und Sie erhalten diese kostenlos.

IV. Ohne Liquiditätsplanung kein Bankkredit

Nicht zuletzt verlangt inzwischen jede Bank eine belastbare Liquiditätsplanung mit einem Ausblick auf mindestens 1 bis 2 Jahre. Sind Liquiditätslücken erkennbar, will die Bank genau wissen, wie diese geschlossen werden sollen. Ansonsten wird der Kreditwunsch direkt abgelehnt oder es müssen höhere Zinsen als eigentlich notwendig gezahlt werden.

Beispiel: Bei einer Kreditsumme von „nur“ 200.000 € macht ein Prozentpunkt erhöhter Zinsen bereits 2.000 € pro Jahr aus.

Jeder Unternehmer sollte daher gegenüber der Bank nachweisen, dass er sich des Themas annimmt, eine Planung vorlegen und aufzeigen, welche Maßnahmen er umsetzt oder umgesetzt hat, um die Liquidität zu verbessern.

Und auch andere Geschäftspartner, etwa große Kunden oder Lieferanten, verlangen immer öfter einen Nachweis darüber, dass der künftige Partner während der nächsten Jahre aller Voraussicht nach solvent bleiben wird.

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2018-03-20T04:19:18+00:00By |Liquidität|

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Lang+Wolf Consulting GbR ist ein Beratungsunternehmen mit Beratungsschwerpunkten bei betriebswirtschaftlichen und finanziellen Themen zur Unternehmensführung. Sofern im Unternehmen für folgende Fragen Lösungen gesucht werden, können wir die Antworten finden: 1. Wie kann die Liquidität verbessert werden? 2. Wie können die Gewinne optimiert werden? 3. Wie kann die Finanzkommunikation verbessert werden und wozu ist das überhaupt notwendig? 4. Wie kann eine Unternehmensnachfolge gelingen?

Ein Kommentar

  1. Pierre 27. Oktober 2015 um 15:30 Uhr - Antworten

    Hallo,

    dem kann ich nur zustimmen. Management by Kontoauszug habe ich als Berater auch oft bei meinen Mandanten wahr genommen und kann davon nur abraten. Solange sehr viel Geld da ist, mag das vielleicht noch gehen. Viele trifft jedoch der Schlag, wenn das erste mal ESt gezahlt und vorausgezahlt werden muss.

    Die Liquiplanung sollte, wie Sie völlig richtig sagen, kontinuierlich stattfinden. Meiner Meinung nach aber nicht nur monatlich, sondern derart mit dem operativen Tagesgeschäft verknüpft sein, dass jede relevante Information hinein fließt.

    Dabei müssen hier nicht mal besonders teure oder komplexe Werkzeuge zum Einsatz kommen. Eine einfache Excel-Vorlage Liquiditätsplanung hilft hier schon weiter für den ersten Schritt.

    Schade, dass man die Checkliste nicht gleich herunterladen kann. Über 50 Tipps zur Verbesserung der Liquidität können hier kostenlos heruntergeladen werden.

    VG Pierre Tunger

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