Kennst du das?

Deine Geschäftsguthaben sind aufgebraucht und deine Kontokorrentkredite bewegen sich die meiste Zeit am Limit. Für dich zwar noch kein Grund zur Panik, doch von Woche zu Woche denkst du mehr und mehr über Lösungen nach wie z.B.:

  • Erhöhung der Gewinne (u.a. Verkaufspreise hoch, Kosten senken)
  • Eintreiben offener Forderungen oder
  • andere individuelle Lösungen

Vielleicht dauern dir diese Umsetzungen zu lange oder sind sie zu zurzeit zu beschwerlich? Und es kann natürlich auch sein, dass du deiner Meinung nach bereits ausreichend Gewinne erzielst?

Dann haben wir eine Alternative für dich – verbessere die Finanzstruktur deines Unternehmens!

Wir zeigen dir, wie du in nur 3 Schritten die Finanzstruktur verbesserst und damit deine Liquiditätsspielräume erhöhst.

  1. Schritt – Ermittlung der Kapitaldienstüberschüsse

Finde zunächst heraus, ob die operative Leistungsfähigkeit deines Unternehmens zur bestehenden Finanzstruktur passt. Dazu ermittelst du zunächst die freien Überschüsse deines Unternehmens (erweiterter Cashflow bzw. auch EBITDA*) genannt.

Auch Geldgeber starten fast immer mit dieser Berechnung die Prüfung eines Finanzierungsantrages, deshalb solltest du deine freien Überschüsse auch gut kennen. Und keine Angst, die Ermittlung ist auch kein Hexenwerk und gelingt jedem Unternehmer/-in.

Nimm den letzten Jahresabschluss, die Gewinnermittlung oder auch ersatzweise vorl. Zahlen (bspw. Dezember-BWA mit kumulierten Zahlen) und rechnen wie folgt:

Ob der erweiterte Cashflow ausreichend für dein Unternehmen ist, kannst du erst abschließend beurteilen, wenn du ihn deinen Kapitaldienstverpflichtungen und den weiteren Zahlungsverpflichtungen (geplante Investitionen, Steuern und Entnahmen) gegenüberstellst.

Hier empfehlen wir dir, gleich die kommenden 3 Jahre (mindestens) zu ermitteln.

Jetzt führst du die beiden Ermittlungen zusammen und ziehst gleich noch Ersatzinvestitionen aus Eigenmitteln, erwartete Steuern und bei Personengesellschaften Privatentnahmen ab.

Sind die Überschüsse sehr knapp oder negativ, so ist das ein Hinweis auf eine enge Liquidität. Meist merkst du das daran, dass deine Geschäftsguthaben aufgebraucht sind und deine Kontokorrentkredite sich die meiste Zeit am Limit bewegen.

  1. Schritt – Finanzierungsstruktur analysieren und bewerten

Im 2. Schritt solltest du prüfen, ob die im 1. Schritt ermittelten Kapitaldienstüberschüsse der kommenden Jahre ein Potenzial für „Verschiebungen“ in den betrachteten Jahren bieten.

Vorab eine kurze Erklärung zum Thema Finanzierung:

Oftmals werden in Finanzierungsverträgen für Investitionen kürzere Laufzeiten gewählt, weil der Geld-/Kreditgeber beispielsweise von einem schnellen Verschleiß des Investitionsgutes (meist Maschinen/ Anlagen) ausgeht oder aber bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen (Büros/Produktionshallen) eine Finanzierung über 12, 15 oder 20 Jahren aufgrund unsicherer Entwicklung des gewerblichen Immobilienmarktes am Standort scheut.

Manchmal überschätzen die Kreditnehmer (Unternehmen) jedoch auch die zusätzlichen Überschüsse aus der Investition und drängen selbst auf eine sehr kurze Rückzahlungsdauer des Kredites.

In der Praxis werden Maschinen und Anlagen jedoch häufig viel länger genutzt oder aber Immobilienwerte entwickeln sich besser als erwartet. Und es kann durchaus zu Verzögerungen bei der Amortisation der Investition kommen.

Wenn sich nun bei dir im 1. Schritt zeigt, dass deine Kapitaldienstüberschüsse in naher Zukunft gering sind, jedoch später größer werden, macht eine Verhandlung zur Laufzeitstreckung der bestehenden Darlehen (Ratenreduzierung) Sinn. Voraussetzung ist dabei u.a., dass du durch eine längere Nutzung bestehender Maschinen nicht sofort Ersatzinvestitionen benötigst.

Solange sich die Kapitaldienstüberschüsse durch eine Laufzeitstreckung in den kommenden Jahren verbessern und auch langfristig zu den betriebsnotwendigen Investitionen passen, sind die Kreditgeber in der Regel für Umstellungen/Umstrukturierungen von bestehenden Krediten offen. Gespräche lohnen sich für dich also, sofern du vorbereitet bist und Schritt 1 und 2 beachtest.

Eine weitere Lösung kann für dich ggf. auch die Zusammenlegung von Krediten sein.  Dies macht für dich u.U. Sinn, wenn du hierbei eine geringere Ratenbelastung erreichen kannst. Vielleicht erreichest du auch eine Aufstockung der bestehenden Kredite und behältst gleichzeitig die bisherige Ratenhöhe bei.

  1. Schritt – Prüfung der Kontokorrentsalden-Auslastung

Im 3. Schritt solltest du die Kontokorrentauslastung prüfen.

 Vorab eine kurze Erläuterung zum Kontokorrent

Der Kontokorrentkredit bzw. Rahmenkredit dient dir:

  • in erster Linie zur Überbrückung kurzfristiger Schwankungen zwischen Zahlungseingänge und -ausgängen
  • zur kurzfristigen Vorfinanzierung Ihrer Waren- bzw. Materialeinkäufe, die i.d.R. durch zeitnahe Verkäufe wieder zurückgeführt werden
  • der Ausnutzung Ihrer Skontovorteile aufgrund des höheren Liquiditätsspielraums

Falls deine Linie durch Dauerinanspruchnahmen ständig ausgenutzt wird, entstehen dir viele Nachteile:

  • dein Liquiditätsspielraum ist eingeschränkt oder nicht vorhanden
  • deine Zinsbelastung steigt dadurch überdurchschnittlich an, da die Zinsen des Kontokorrents (kurzfristige Finanzierungsmittel) in der Regel deutlich höher sind als die Zinsen bei mittel- bis längerfristige Finanzierungen
  • dein Konto-Rating verschlechtert sich dadurch

So kannst du einfach die Kontokorrentauslastung prüfen:

  • prüfe zunächst die durchschnittliche Inanspruchnahme pro Monat anhand der Angaben in den mtl. Kontoauszügen oder im Online-Banking
  • als nächstes ermittelst du die durchschnittliche Inanspruchnahme im Jahresverlauf (auch Sockelbetrag genannt), die nicht aus der laufenden Geschäftstätigkeit zurückgeführt werden konnte

Nachfolgend eine grafische Darstellung:

Die vorstehende Beispiel-Grafik zeigt eine Dauerinanspruchnahme von ca. 120.000 €. Der Liquiditätsspielraum beträgt also nur noch 80.000 € und nicht mehr 200.000€.

Kläre die Gründe, die zu einer Dauerinanspruchnahme geführt haben. Das könnten mögliche Gründe sein:

  • Anlagevermögen wurde zu Lasten des Kontokorrents finanziert, weil ggf. zum Zeitpunkt der Zahlung ausreichend Liquidität zur Verfügung stand
  • der Kapitaldienst ist im Verhältnis zum erweiterten Cashflow zu hoch (siehe Punkt 1)
  • der Forderungsbestand ist angewachsen, weil die Kunden später zahlen
  • weitere (Einkaufs-)Linien bei Lieferanten wurden aufgrund veränderter Richtlinien etc. gekürzt, dadurch musstest du stärker als ursprünglich geplant auf Kontokorrentlinien bei Banken zurückgreifen
  • es werden zu lange Zahlungsziele gewährt
  • lange Fertigungsdauer bei zu geringen oder keinen Anzahlungen/Teilrechnung
  • der Warenbestand hat sich erhöht (weil der Abverkauf stagniert oder auf Lager gekauft wurde)

Wenn du die Gründe für eine Sockelinanspruchnahme geklärt hast, passt du deine Kapitaldienstübersicht unter Berücksichtigung der gewünschten Umschuldung an und führst Schritt 1 nochmals durch. Du musst also prüfen, wie hoch der Kapitaldienst sein müsste, um unter Berücksichtigung aller weiteren Zahlungsabflüsse eine Zahlung aus dem erweiterten Cashflow zu gewährleisten.

Denk auch daran, dann die Zinsen für die Kontokorrentkredit-Inanspruchnahme in der Kapitaldienstübersicht zu reduzieren.

Wenn nach dieser Rechnung dein Kapitaldienst aus dem erweiterten Cashflow gedeckt werden kann und du noch Platz für Überschüsse hast, kannst du nun im Gespräch mit deiner Bank über eine Umfinanzierung des Sockelbetrages sprechen. (Hier erklären wir dir, wie du einen Kreditantrag wie ein Profi stellst…)

Du kannst die Ursachen erläutern und hast gleich einen Vorschlag zur Verbesserung der Kontokorrentausnutzung. Durch Entlastung der Inanspruchnahme erhöht sich dein Liquiditätsspielraum und du kannst die Vorteile des Kontokorrents wieder nutzen.

Tipp:

Bitte achte von Anfang an in den Verhandlungen darauf, dass deine Bank nach einer Umschuldung der Sockelinanspruchnahme nicht die KK-Linie reduziert.

* EBITDA bedeutet: earnings before interest, taxes, depreciation and amortization (auf Deutsch: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen – oftmals auch als „Erweiterter Cashflow vor Zinsen“ bezeichnet).

Hast du noch Fragen oder benötigst du ergänzende Hinweise?  Schreib uns einen Kommentar und berichte uns welche Erfahrungen du gemacht hast.