Im ersten Teil unseres Blogbeitrages haben wir Ihnen empfohlen, dass Sie unbedingt vor einem Kreditantrag die über Sie gespeicherten Informationen bei Wirtschaftsauskunfteien und/oder Ratingagenturen prüfen sollten. – hier geht’s zum Teil 1

Wir erläutern Ihnen anhand einer Auskunft der Creditreform, welche Punkte bzw. Positionen für einen Kreditantrag relevant sein können.

Welche Informationen sind eigentlich in einer Wirtschaftsauskunft enthalten?

Ein erheblicher Teil der deutschen Wirtschaft nutzt die Creditreform-Auskünfte. Hierbei informieren sich Unternehmen untereinander, zum Beispiel vor einer möglichen Auftragsvergabe. Aber auch die meisten Banken und Finanzierungsgesellschaften in Deutschland nutzen die Creditreform.

Die Creditreform Auskunft gliedert sich wie folgt:

  • Firmenidentifikation (allgemeine Daten)
  • Bonität
  • Zahlungsweise und Krediturteil
  • Strukturdaten
  • Beteiligungsverhältnisse
  • Geschäftstätigkeit
  • Geschäftszahlen
  • Unternehmensbilanz (inklusive Bilanz-Rating)
  • Zusatzinformationen (zum Beispiel Bankverbindung)
  • Zahlungsinformationen und Beurteilung der Geschäftsverbindung

In fast allen Gliederungspunkten sind positive, neutrale oder auch negative Informationen enthalten. Das bedeutet, Sie sollten eine Auskunft komplett durchgehen, prüfen und gegebenenfalls an Verbesserungen der einzelnen Punkte arbeiten.

1. Was Sie über den Bonitätsindex wissen sollen

Es wird im Bereich Bonität ein Bonitätsindex – eine Art Gesamtrating/Gesamtnote und die „PD“ (Probadility of Default) ausgewiesen.

Der Bonitätsindex wird aus den Ergebnissen der verschiedenen Teilbereiche der Auskunft gespeist. Für kleine und mittlere Unternehmen ist ein Bonitätsindex unter 200 bis ca. 250 aus unserer Sicht als normal/durchschnittlich anzusehen.

Ein Bonitätsindex zwischen 250-300 ist bereits leicht unterdurchschnittlich, jedoch noch akzeptabel. Ein Bonitätsindex über 300 wird durch Geldgeber bzw. Geschäftspartner bereits als problematisch eingeordnet.

Zusätzlich wird die Ausfallwahrscheinlichkeit, die PD =Probability of default angegeben. Je besser der Bonitätsindex ausfällt, desto kleiner wird die PD.

Sind Sie mit Ihrem Bonitätsindex unzufrieden, sollten Sie bei den nachfolgenden Punkten Verbesserungspotenzial suchen.

2. Zahlungsweise und Krediturteil

Hier werden zu den Punkten Zahlungsweise, Krediturteil und Kreditlimit Wertungen abgegeben.

Bei „Zahlungsweise“ sollte möglichst stehen: „Innerhalb vereinbarter Ziele, Skontoausnutzung“ und auf der rechten Seite bei der in Klammern angegebenen Zahl auf jeden Fall unter 30 – besser aber zwischen 20 und 25.

Bei folgender Aussage „Zahlung erfolgt nicht innerhalb vereinbarter Ziele“, klären Sie mit der Creditreform die Hintergründe. Sollten Fehler zugrunde liegen, können Sie die beheben lassen.

Sofern die Angaben korrekt sind, können Sie sich im Gespräch informieren, unter welchen Umständen bzw. wann der Eintrag wieder positiver ausfallen könnte. Bei verspäteter Zahlung durch Ihr Unternehmen sollten Sie immer darauf achten, vorab mit Ihren Geschäftspartnern zeitverzögerte bzw. verspätete Zahlungen abzustimmen. Das ist sicher nicht immer einfach, jedoch lassen sich so oftmals Meldungen über verspätete Zahlungen bereits im Vorfeld vermeiden.

Wenn Sie üblicherweise mit Skonto zahlen und dies in der Auskunft nicht ausgewiesen wird, informieren Sie die Creditreform. In vielen Fällen wird ein Schreiben des Steuerberaters über Skontozahlungen Ihres Unternehmens ausreichen.

Oftmals ist die Skontozahlung aus den Geschäftszahlen heraus nicht erkennbar, daher achten Sie zukünftig darauf, dass dies in Ihren Geschäftszahlen ausgewiesen wird. Dies lässt sich in der Regel auch noch nach Abschluss des letzten Geschäftsjahres und vor Veröffentlichung des Jahresabschlusses klären.

Das „Krediturteil“ meint, dass mit einem Geschäftspartner eine bestimmte Kredithöhe (ohne Besicherung) eingegangen werden kann.  Hier sollte mindestens stehen, dass Kredite nicht abgelehnt werden und eine Geschäftsverbindung als zulässig gilt.

Falls hier steht, dass eine Geschäftsverbindung nicht als zulässig gilt oder Kredite abgelehnt werden, sollten Sie unbedingt mit der Creditreform sprechen und die Gründe klären.

Die Höhe des jeweils angegebenen „Kreditlimits“ ist sehr individuell, ein allgemeingültiger Ratschlag ist unseres Erachtens nicht möglich. In vielen Fällen liegt die Empfehlung der Creditreform deutlich unter den bereits bestehenden Kreditlimits.

3. Strukturdaten

Die Art der Rechtsform und das Unternehmensalter beeinflussen auch Ihren Bonitätsindex sind aber in der Regel für Veränderungen irrelevant. Achten Sie im gesamten Punkt der Strukturdaten darauf, dass alle Einträge korrekt sind.

In diesem Bereich werden auch Querverbindungen dargestellt. Wenn beispielsweise der Gesellschafter einer GmbH gleichzeitig Gesellschafter einer anderen GmbH ist oder noch ein Einzelunternehmen hat, wird dies dargestellt.

Sollten Negativmerkmale bei den anderen Gesellschaften dieses Gesellschafters vermerkt sein, so steht hier ein Warnhinweis. Dies hat zwar nicht unmittelbar etwas mit Ihren Unternehmen zu tun, jedoch sind Geldgeber verschreckt, wenn aus dem erweiterten Kreis des Unternehmens (Gesellschafter, Geschäftsführer, Beirat, Aufsichtsrat) heraus Negativmerkmale bestehen.

Sprechen Sie mit den betreffenden Beteiligten, ob eine Klärung/Löschung mit der Creditreform erreicht werden kann oder finden Sie interne Lösungen (gegebenenfalls Veränderungen im Gesellschafterkreis).

4. Geschäftstätigkeit

Hier ist zunächst wichtig, dass die im Handelsregister eingetragene Geschäftstätigkeit korrekt wiedergegeben wird bzw. wenn Ihr Unternehmen nicht im Handelsregister eingetragen ist, der Geschäftszweck in Ihrem Sinne in der Creditreform-Auskunft korrekt ist.

Wichtig in diesem Bereich sind die sogenannten Branchen- Ausfallwahrscheinlichkeiten. Die Creditreform recherchiert bzw. fragt Sie, in welchen Branchenbereichen Sie welche Umsatz -Größenordnungen generieren. Es ist natürlich unglücklich, wenn an 1. Stelle eine Zuordnung zu einer Branche besteht, die eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit hat, das aber gar nicht (mehr) zutrifft.

Beispielsweise könnte der Umsatz in einer 2. Branche inzwischen höher sein und diese Branche hat eine bessere Ausfallwahrscheinlichkeit. Dann macht es Sinn, die Creditreform darüber zu informieren, weil dies auch Einfluss auf Ihren Bonitätsindex hat.

5. Geschäftszahlen

Bitte prüfen Sie in diesem Bereich, dass Ihre Angaben aus der Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Bilanz korrekt wiedergegeben sind. Die Creditreform aber auch die anderen Auskunfteien und auch Ratingagenturen bewerten Ihre Zahlen. Dieses Rating funktioniert ähnlich wie bei Ihren Hausbanken.

Wenn alle Daten korrekt angegeben sind, können Sie an dieser Stelle zunächst nichts ändern. Zukünftige Verbesserung ergeben sich aus verbesserten Zahlen in der Zukunft.

Liegen zum letzten Geschäftsjahr noch keine Zahlen vor, dann können Sie der Creditreform jedoch vorab die ungefähren Eckdaten benennen. Dies macht dann Sinn, wenn Sie im letzten Geschäftsjahr ansteigende Zahlen hatten.

Gleichzeitig können Sie der Creditreform auch Ihre Planzahlen mitteilen. Wenn sich aus Ihren Planzahlen ein positiver Trend ergibt, ist dies für Ihre Auskunft auch positiv. Bitte beachten Sie, dass Ihre Planzahlen trotz der genannten Vorteile eines positiven Trends auch erfüllbar sind. Werden im Laufe des Geschäftsjahres oder nach Abschluss Auswertungen der Ist-Zahlen mit den Planzahlen vorgenommen, sind zu hohe Planverfehlungen dann wiederum kontraproduktiv. Also sind Planzahlen mit Positivtrend, die auch umsetzbar sind, der richtige Weg.

Tipp: Achten Sie darauf, dass die Eigenkapitalquote richtig ausgewiesen wird

Oftmals werden in Bilanzen sogenannte eigenkapitalähnliche Mittel (z.B. Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen) nicht als solche erkennbar ausgewiesen. Wenn Sie eigenkapitalähnliche Mittel in Ihrer Bilanz haben, diese jedoch in der Creditreform-Auskunft nicht wiederfinden, wird Ihre Eigenmittelquote auch nicht korrekt berechnet. Die Quote ist jedoch für das Bilanzrating und damit auch für den Bonitätsindex sehr wichtig. Sprechen Sie in so einem Fall mit der Creditreform darüber.

6. Zahlungsinformation und Beurteilung

Hier werden nochmal Aussagen zu „Zahlungsweise und Krediturteil“ der „wirtschaftlichen Entwicklung“ sowie „Negativmerkmalen“ getroffen.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung werden Aussagen über die „Unternehmensentwicklung“ und zur „Auftragslage“ gemacht.

Sofern bei Unternehmensentwicklung nicht steht, dass Sie eine „positive Geschäftsentwicklung“ haben und dies nicht korrekt ist, sprechen Sie mit der Creditreform darüber und bitten um eine Anpassung der Wertung.

Die Auftragslage ergibt sich aus Ihren Planungen und gegebenenfalls ergänzenden Informationen. Wenn Ihre Auftragslage neutral bis gut ist, informieren Sie die Creditreform, damit das in dieser Position auch für Dritte nachvollziehbar ist.

7. Negativmerkmale

Sofern hier Negativmerkmale eingetragen sind, prüfen Sie, ob diese berechtigt sind.

Falls diese berechtigt sind, sprechen Sie mit der Creditreform darüber, wann und unter welchen Umständen diese wieder gelöscht werden können. In nahezu allen Fällen werden Geldgeber und auch andere Geschäftspartner (Lieferanten etc.) von Negativmerkmalen irritiert sein.

Wenn sich diese Negativmerkmale nicht kurzfristig beheben/löschen lassen und Sie trotzdem einen Finanzierungsantrag bei einer Bank einreichen möchten, müssen Sie plausible Gründe darlegen, warum es sich bei dem Negativmerkmale um einen Einzelfall handelt.

Ferner sollten Sie plausibel darlegen, dass sich das nicht wiederholen wird. Dies ist dann zwar keine Garantie, dass Sie eine Finanzierung erhalten werden (vorausgesetzt auch alle anderen Punkte sind für die Bank in Ordnung), doch Ihre Chancen steigen dadurch.

Fazit

Dies war beispielhaft die Erklärung der Creditreform-Auskunft. Bevor Sie einen Kreditantrag tatsächlich final einreichen, sollten Sie durch Fragen/ergänzende Informationen herausfinden, welche Informationsmedien der Geldgeber/Bank nutzt.

Natürlich macht es keinen Sinn bzw. verschlechtert Ihre Situation ungewollt, mit einem potentiellen Geldgeber über Negativmerkmale zu sprechen, wenn diese nur in einer bestimmten Auskunft erscheinen, der potentielle Geldgeber diese Auskunft jedoch gar nicht nutzt.

Dies lässt sich in den allermeisten Fällen im Vorfeld herausbekommen.

Und so gehts weiter:

In Teil 3 dieses Blogbeitrages sprechen wir über:

  • Schritt 2 zur Vorbereitung eines Kreditantrags (Unterlagenaufbereitung)

und in Teil 4 des Blogbeitrages geht es dann um:

  • Schritt 3 wie Sie sich optimal auf das Bankgespräch zum Kreditantrag vorbereiten können

Welche Erfahrung haben Sie mit Bonitäts- bzw. Wirtschaftsauskünften in der Vergangenheit machen können?

Schreiben Sie uns in den Kommentaren Ihrer Erfahrungen oder gerne auch direkt unter info@lang-wolf.de

Wenn Ihnen unser Beitrag gefallen hat, dann teilen Sie in mit anderen.